Verhaltenstipps für den Umgang mit Drogen, Polizisten und sonstigen Individuen fern der Heimat
Immer wieder werden Reisende in der Fremde mit unerlaubten psychotropischen Substanzen erwischt und Tausende Europäer sitzen derzeit weltweit unter oft erbärmlichen Bedingungen in Haft. Und immer wieder wenden sich grow!-LeserInnen an die Redaktion oder an mich, um Informationen zu bekommen, was man in fremden Ländern beachten sollte, um „sicher" seinem kleinen Vergnügen frönen zu können. Nun ja, was heißt sicher? Wenn es einem nur darum geht, ungestört zu kiffen, dann gibt's natürlich nur zwei Reiseziele: die Niederlande und die Schweiz. Aber auch dort kann man gerade als Ausländer Probleme bekommen, sollte man sich nicht an die örtlichen Regeln halten, was bedeutet, dass alles, was über den Eigenbedarf hinaus geht (und härtere Drogen sowieso) auch bei unseren beiden Nachbarn verfolgt wird. Und wenn auch die meisten weiteren Staaten Europas den kleinen Kiffer nicht in den Kerker stecken und einige auch starke Liberalisierungstendenzen zeigen (Spanien, Portugal, Tschechien), so gibt es auch in unserer Nähe Länder, wo man schon reichlich aufpassen muss, um nicht wegen ein paar Krümel Shit nachhaltigen Ärger zu bekommen. Frankreich zum Beispiel ist arg haschischparanoid, ebenso Griechenland. Aber auch dort wird ein Drogendelikt nach rechtstaatlichen Regeln behandelt und das heißt, der Eigenbedarfcannabisbesitzer ist kein Schwerverbrecher - nirgendwo in Europa.

Verlässt man aber unsere europäische Scholle der Glückseligen, ändert sich das schlagartig. Wenn man so die Drogengesetze liest, die manch’ ein vermeintliches Kifferparadies aufzuweisen hat, verschlägt es einem schon den Rauch im Atem. Indien: bis sieben Jahre auf Cannabisbesitz, Malaysia: Todesstrafe ab 250 Gramm und selbst der Jamaikaurlauber kann wegen einem Spliff eine Woche in U-Haft einfahren. Da nimmt das Wort „Sicherheit“ eine ganz andere Bedeutung an.
Ich selbst hatte auf Reisen Hunderte, wenn nicht Tausende, Kontakte zu Polizisten und ähnlichen Personen und einige davon waren recht unschön. Aber niemals geriet ich
ohne Grund in irgendeine missliche Lage, sprich: Ich hatte meine Probleme jedes Mal selbst verschuldet. Durch allzu öffentlichen Konsum, durch schlechte Verstecke oder durch Fallen, in die man als Fremder gerne hineintappt.
Kurzum: ich denke es ist höchste Zeit, mal ein kleines Sicherheits-ABC für Kiffer auf Reisen zusammenzustellen. Ich möchte hier nicht als Oberlehrer dastehen, aber es handelt sich um ernst gemeinte Ratschläge, denn jeder ertappte Kiffer ist einer zu viel. Happy trails!
ARROGANTES Verhalten gegenüber Mitmenschen ist schon ziemlich daneben. Im Umgang mit Gesetzeshütern und allen anderen, die eine Machtposition innehaben, ist es das dümmste, was man sich erlauben kann. Besonders dann, wenn man sich nicht ganz gesetzeskonform verhält. Wenn es manchmal auch noch so schwer fällt, reist es sich besser, indem man Polizisten mit Respekt und einem gewissen Grad an Demut begegnet. Auf arrogante Polizisten bin ich übrigens in 20 Jahren noch nie gehäuft gestoßen. Da der Tourismus in den allermeisten Ländern der Welt hoch willkommen ist, scheinen Polizeibeamte meist angewiesen, Touristen mit Samthandschuhen anzufassen. Lediglich in einigen Staaten Schwarzafrikas hatte ich den Eindruck, dass Polizisten einen Hang dazu haben, ihre Machtposition besonders ausländischen „weißen" Reisenden gegenüber auszuspielen. Das ist dann schon ziemlich zum Kotzen, aber auch da bleibt einem letztlich nur, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
BERUFSEHRE ist in den meisten tropischen Ländern eine leere polizeiliche Phrase und ganz abgesehen davon, was die Herren Polizisten so in ihrer Freizeit treiben, gibt es wohl kaum ein Land, in welchem sie sich nicht nach Herzenslust bestechen lassen.
Egal ob in Lateinamerika in Asien oder Afrika: Der Beruf des Polizisten wird nur im seltensten Falle aus Überzeugung gewählt, er gilt vielmehr als ein schlecht bezahlter, aber krisensicherer Job mit zahlreichen Möglichkeiten des Nebenverdienstes. In Indien werden beispielsweise polizeiintern 1000 Dollar Bestechungsgeld bezahlt, um nach Goa versetzt zu werden, wo man dann Touristen ausnehmen kann. Diese ehrenwerten Herren ...
CANNABIS ist leider weltweit illegal und der Besitz desselben eben einer dieser eben angesprochenen Nebenverdienstmöglichkeiten. Natürlich weiß jeder Polizeibeamte dieses Planeten, dass Kiffen jetzt nicht wirklich schlimm ist und viele tun es ja selber auch. Aber kiffende Urlauber sind eben besonders gern gesehene Kunden, pflegeleicht und solvent. Und wenn der Joint am Beach auch noch so romantisch ist. Man riecht ihn halt hundert Meter weit. Kokser und Junkies geben sich ihren Stoff hinter verschlossenen Türen und werden deshalb eben weit seltener geschnappt.
DOKUMENTE sollten auf Reisen in Ordnung sein, das muss man niemanden sagen. Dokumente können aber recht verräterisch sein, was besonders auf die Visaseiten des Passes zutrifft. Wegen nichts provozierte ich derart viele bescheuerte Fragen neugieriger Beamter, als wegen dieser Stempel. Andererseits gibt es auch den Spruch: „Der beste Schmuggler hat seinen Pass verloren“, was bedeutet, dass die Polizisten und Zöllner durch solche Dinge von anderen Delikten eventuell abgelenkt werden.
EIGENBEDARF – Während in der westlichen Hemisphäre die Strafverfolgungsorgane, trotz aller herrschenden Missstände, erheblich zwischen Drogenbesitz zum Eigenbedarf und jenem zu Handelszwecken unterscheiden, wird in den meisten 2., 3. und 4. Welt-Ländern auf solche Regelungen weniger wert gelegt, obwohl sie fast überall bestehen. Aber auch dort macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man mit einem Joint, einem Gramm oder einem Kilo erwischt wird - sowohl, was eventuelle Bakschisch-Gaben betrifft, als auch, was man vom Gesetz zu erwarten hat.
FALLEN - Es ist kein Geheimnis, dass speziell in Gegenden, die gerne von drogeninteressierten Touristen aufgesucht werden, Dealer und Polizisten zusammenarbeiten, um doppelt oder zigfach abzukassieren. Diesem unseligen Gebaren bin auch ich schon ein paar Mal zum Opfer gefallen. Bezeichnenderweise passierte mir es immer beim ersten Deal, den ich irgendwo hektisch und gierig vornahm. Das Prinzip ist immer ähnlich. Man wird von einem Typen meistens direkt mit der Frage: „Ob man was Gutes wolle?", angesprochen. Dann wickelt man ein offenbar korrektes Geschäft ab und kurz darauf steht eine Gestalt in Uniform vor Dir. Das Gute an der Sache: Sie dient nicht dazu, einen ins Gefängnis zu bringen. Das Schlechte: Sie kann einen Haufen Geld kosten, schlechtestenfalls nämlich alles, was man augenblicklich dabei hat. Also bitte, höchste Vorsicht bei Anmache auf der Straße! Fragt lieber irgendwo selber.
GEFÄNGNIS ist allgemein schon etwas Schreckliches. Im Drittwelt-Ausland kann ein Aufenthalt dort zu einer extremen Horrorerfahrung ausarten. Versucht unbedingt, Konflikte mit Gesetzeshütern sofort zu regeln (Bestechung). Wer erst einmal sitzt, entgeht der juristischen Maschinerie auch in „Bananenrepubliken“ kaum mehr. Und wenn, dann unter hohen Kosten, denn der Polizeichef hat natürlich einen anderen Bestechungspreis, als der Straßenbulle. Wer ins Gefängnis kommt, sollte (via Botschaft) alle Möglichkeiten ausschöpfen, von zu Hause aus Geld zu bekommen. Nur mit Geld kann man im Tropenknast, unter humanen Bedingungen, was Hygiene und Nahrungsmittelzufuhr angeht, längere Zeit gesund überleben.
HUREN - Man muss ja die Damen des horizontalen Gewerbes nicht mögen, aber sie gehören zu den vertrauenswürdigsten Personen, die man weltweit auf die Möglichkeiten des Drogenerwerbs ansprechen kann. Natürlich wollen auch sie ihren Anteil oder ein paar Dollar verdienen, aber mit der Polizei haben sie nichts am Hut. Irgendwie stehen sie halt auf der gleichen Seite als Außenseiter in einer verlogenen Gesellschaft und niemand kennt sich in der Unterwelt besser aus als sie.
INTIME REGIONEN des Körpers werden im Normalfall nirgendwo und niemals von einfachen Polizisten bei der Ausübung ihres täglichen Auftrags gecheckt. Bei Frauen sowieso nicht und auch Männer müssen nicht die Unterhosen ausziehen. Geschweige denn, dass man ihnen einen Finger hinten reinsteckt. Also irgendwo hört es ja auch für Polizisten auf ... Wo der beste Platz ist, kleinere Dinge zu verstecken, dürfte somit erklärt sein. Wie man aber ein Kilo Ganja da reinkriegen sollte, ist mir leider ein Rätsel ...
JAMAIKA, Marokko und Nepal gelten zwar immer noch als „Kifferparadiese", aber auch dort haben sich die Verhältnisse geändert, sodass das kleine Vergnügen auch dort zu nachhaltigen Schwierigkeiten führen kann. Selbst Länder wie Laos und Kambodscha, wo vor kurzem noch Cannabis frei gehandelt werden durfte, haben auf internationalen Druck, anders lautende Gesetze eingeführt. Die werden zwar noch nicht überall konsequent angewendet, aber bakschischgeile Polizisten wissen um neue Gesetze natürlich nur allzu gut Bescheid.
KONSULARISCHE VERTRETUNGEN sind oftmals die letzte Hilfe, solltest du im Ausland ins Gefängnis kommen. Sie sind rechtlich verpflichtet, in Not geratene Bundesbürger zu betreuen, wobei das konsularische Engagement in einigen einschlägig bekannten „Drogenländern“ wie Indien stark nachgelassen haben soll. Außerdem ist sehr wichtig, jemand zu Hause zu haben, der finanziell bürgt. Das soll die Hilfsbereitschaft unserer Auslandsvertretungen außerordentlich fördern.
LANGE HAARE - Es ist nach 40 Jahren Flower Power ja fast schon peinlich, dass Polizisten des Planeten Erde noch immer lange männliche Haare mit dem Konsum von Drogen assoziieren. Aber es ist halt so. Meine persönliche Erfahrung hierzu ist, seitdem ich mir die Haare regelmäßig schneide und manchmal auf Reisen sogar die Rasierklingen eines Barbiers an mich lasse, habe ich signifikant weniger ungewollte Kontakte mit staatlichen Uniformträgern. Weder im Ausland, noch bei der Einreise in die Heimat. Da kann man einfach nix dagegen machen. Das ist halt so.
MILITÄRKONTROLLEN finden in den meisten Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens statt und gehören zu lästigen, für Touristen aber weitgehend problemlosen Routineveranstaltungen. Ausländer haben mit den jeweiligen landesinternen Widerstandskämpfern und sonstigen Staatsfeinden nichts zu tun und die Soldaten sind für gewöhnlich angewiesen, Urlauber freundlich und korrekt zu behandeln, was sie, mal abgesehen von einigen Ländern Afrikas, auch tun. Nach Drogen suchen sie kaum, viel mehr nach Waffen. Und wer hat schon ’ne Uzzi im Rucksack?
NO ENGLISH - Während an den Grenzen tätige Staatsdiener in aller Welt wenigstens unter ein Basiswissen der englischen Sprache leiden, sind im Landesinneren tätige Beamte vor diesem Problem eher gefeit. Ihr Wortschatz der englischen Sprache beschränkt sich meistens auf ein mehr oder weniger akzentfreies „money" und die Zahlen, mit denen sich die Bestechungshöhe darstellen lässt. Da gibt's dann auch nicht viel zu quatschen. Ansonsten kann es, auch aus zwischenmenschlichen Erwägungen heraus, durchaus von Vorteil sein, ein paar landesübliche Begrüßungsfloskeln parat zu haben. Besonders als „Gringo" in Spanisch sprechenden Gesellschaften erweist man den Menschen Respekt, wenn man sie nicht auf Englisch anlabert. Das ham' se halt nicht gern...
OHRRINGE – Es gilt im Grunde das, was unter dem Kapitel „Lange Haare” steht. Auch (männliche) Ohrringträger sind vielerorts per se verdächtig, entweder Drogen zu konsumieren oder wenigstens schwul zu sein. Das gilt besonders im arabischen Raum, aber auch im katholischen Lateinamerika, wo Ohrringe bei Männern sehr ungewöhnlich sind.
PAPERS - Auch Papers sprechen für Bullen und Zöllner eine eindeutige Sprache. In den Augen (nicht nur) fremdländischer Beamter haben es normale, rechtschaffene Touristen nicht nötig, Zigaretten zu drehen. Wer also Blättchen hat, wird die schon für etwas brauchen. Und als Brief- oder Klopapier sicherlich nicht. Ich will ja nicht unken, aber solche Kleinigkeiten reichen oft aus, um als verdächtig zu erscheinen. Ich zumindest trage keine OCBs mit mir rum, wenn ich irgendwo unterwegs bin, wo ich mit Kontrollen rechnen muss. Höchstens ein paar einzelne Blättchen in den Seiten eines Buches. Abgesehen davon gibt es für einen Dollar die guten roten Rizla-Papers weltweit, wo es was zu rauchen gibt.
RIKSCHAFAHRER sind in Asien, also dort, wo sie endemisch auftreten, meistens sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, die alles wissen und jeden (Dealer) kennen. Für ein kleines Bakschisch (z.B. in der Höhe des doppelten Fahrpreises oder eines verlockend glänzenden Dollarscheins) haben sie im Normalfall keine Intention, den freundlichen Fahrgast aus dem schönen Deutschland direkt an die Polizei auszuliefern. Der Kunde ist bei ihnen König. Selbiges gilt natürlich im Rest der außerzivilisierten Welt für Taxifahrer, die überall wenig Kohle verdienen und obendrein selbst diversen illegalen Substanzen nicht abgeneigt sind.
SPITZEL sind ein weltweites Übel und überall da besonders zahlreich und erfolgreich aktiv, wo große Menschenmengen für relativ anonyme Verhältnisse sorgen. So beliebte Partyplätze wie Goa (Indien) oder Ko Phangan (Thailand) sind durchseucht mit Spitzeln und man sollte illegales Tun wirklich auf den privaten Rahmen, das heißt das verschlossene Hotelzimmer, beschränken.
TODESSTRAFE – In einigen asiatischen Ländern (Saudi Arabien, China, Malaysia, Singapur) steht auf den Besitz größerer Mengen Drogen die Todesstrafe und das gilt auch für Touristen mit Cannabis. Und besonders der Airport von Singapur ist Hochrisikogebiet. Weniger für Schmuggler – es wagt sich kaum mehr jemand, was von dort im Gepäck mitzunehmen – sondern für solche Leute, die etwas im Gepäck vergessen haben. Und eine Jointkippe zwischen den dreckigen Socken kann da schon ein Jahr Knast einbringen. Die sind da verschärft drauf und ich denke, es ist es einfach nicht wert, irgendein Risiko wegen ein bisschen eh nur durchschnittliches asiatisches Weed einzugehen.
UNKENNTLICHMACHEN des Materials ist eine sehr effektive Methode, um von unliebsamen Zwischenfällen verschont zu bleiben. Es ist beispielsweise schon ein Unterschied, ob man ein 5 Gramm Piece irgendwo im Gepäck liegen hat, oder sich die Mühe macht, das Zeugs komplett aufzubröseln und es einfach mit ein bisschen Sand und anderem Dreck in die Tasche wirft. Das finden sie nie und lohnt die Mühe, nachher den Stoff wieder aus dem Dreck herauszufummeln.
VERGEWALTIGUNG ist besonders für alleinreisende Frauen eine fast überall gegenwärtige Gefahr. Diese erhöht sich, wenn Frau sich allzu leichtfertig auf Drogenangebote einlässt. In Travellerinnen-Kreisen haben diesbezüglich karibische (Jamaika, Dominikanische Republik) und lateinamerikanische (Mexiko) Reiseziele einen schlechten Ruf. Asiatische Länder gelten generell als sicherer. Das Gringo-Frauenbild eines rechten mexikanischen Machos ist leider geprägt von TV und Kino und das signalisiert offenbar Freiwildstatus. Obacht Mädels: Nicht mit jedem Arsch mitgehen, bloß weil er was zu Kiffen hat! Oder sei zumindest z.B. mit einem Spray bewaffnet.
X-RAY also Röntgenapparate gibt's auf allen Airports dieser Erde und sie dienen unser aller Sicherheit und nicht dem Aufspüren von illegalen Drogen. Diese werden im Reisegepäck gewöhnlich mit Hunden gesucht und nicht im Handgepäck.
ZURÜCKHALTUNG ist wohl das oberste Prinzip, geht es um illegale Machenschaften, die man sich in der Fremde erlauben möchte. Zurückhaltung beim Kauf auf offener Straße, Zurückhaltung beim Konsum in der Öffentlichkeit und Zurückhaltung bei der Idee, etwas nach Hause schmuggeln zu wollen. Dann dürfte man auch in der Fremde eine chillige Zeit verleben dürfen.